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Von langer HandDie Geschichte der Handchirurgie

Die Handchirurgie als Spezialfach hat sich zwar erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgebildet. Das Interesse an der differenzierten Anatomie der Hand war aber immer schon hoch und die hervorragenden Ergebnisse nach durchdachten und exakt ausgeführten handchirurgischen Eingriffen haben Chirurgen immer wieder fasziniert.

Im 19. Jahrhundert konnten mit der Einführung der Asepsis (Keimfreiheit) und der Anästhesie (Betäubung) Operationen erstmals unter sterilen Bedingungen schmerzfrei durchgeführt werden und die pneumatische Blutleere (Drosselung der Blutzufuhr z.B. durch Manschetten) ermöglichte, selbst anspruchsvolle Operationen an den Extremitäten schonend und ohne Blutverlust durchzuführen. Diese neuen Bedingungen förderten die Entwicklung der Chirurgie enorm, auch im Sinne einer zunehmenden Spezialisierung.

Die Anfänge der modernen Handchirurgie sind untrennbar mit den Fortschritten anfangs des letzten Jahrhunderts in Amerika verbunden, vor allem auf dem Gebiet der Infektionen an der Hand und der Sehnenchirurgie der oberen Extremität. Und wie viele andere operative Fächer auch wurde sie von der Zunahme von Handverletzungen und Verletzungen der peripheren Nerven während des zweiten Weltkrieges stimuliert.

Der Begründer und Vater der Handchirurgie Sterling Bunnell (1882-1957), San Francisco, war Chirurg und betrachtete die Handchirurgie als eine spezialisierte Chirurgie aller Gewebe der oberen Extremität. Deshalb verlangte er von einem Handchirurgen die Beherrschung von plastisch-chirurgischen, orthopädischen und neurochirurgischen Operationstechniken. Für Bunnell begann die Hand mechanisch am Ellenbogengelenk aber dynamisch an der gegenüberliegenden Hirnhälfte. Sein 1944 erschienenes Buch, "Surgery of the Hand" (Die Chirurgie der Hand) wurde zum offiziellen Lehrbuch der U. S. Army, fand weltweite Anerkennung und rief ein neues Fachgebiet ins Leben – die Handchirurgie!

Das weltweit erste Fachbuch über Handchirurgie von Sterling Bunnell, 1944

1946 gründete Bunnell die erste Handchirurgische Gesellschaft in den USA, europäische Gesellschaften folgten rasch darauf:
1951 in Skandinavien (Erik Moberg, 1905-1993), 1952 in England (Hugh Graham Stack, 1915-1992, und Robert Guy Pulvertaft 1907-1986), 1959 in Deutschland (Dieter Buck-Gramcko, 1927-2012) und 1966 die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie – seit 1992 Schweizerische Gesellschaft für Handchirurgie SGH (Claude E. Verdan, 1909-2006).

Sterling Bunnell 
(1882 – 1957)
Claude E. Verdan (1909 - 2006)
Dieter Buck-Gramcko (1927 – 2012)

Der Fortschritt in diesem Fachgebiet ging zügig voran, sodass die Handchirurgie in der Schweiz als Subtitel mit eigener Spezialisierung 1988 durch die Vereinigung schweizerischer Fachärzte FMH anerkannt wurde. Damals konnte dieser Titel aus den chirurgischen Disziplinen Chirurgie, Orthopädie, Plastische Chirurgie und Kinderchirurgie erlangt werden. Diese Spezialitäten steuerten auch das Fachwissen und die speziellen Techniken bei, die benötigt werden, um die Hand als Ganzes behandeln zu können.
2002 erfolgte die Anerkennung als Schwerpunkttitel und 2007 die Anerkennung der Handchirurgie als privatrechtlicher Titel durch die FMH. Ein intensives Weiterarbeiten an der Spezialisierung und Ausbildung der Handchirurgen führte schliesslich zur Akkreditierung der Handchirurgie und per 1. 1. 2015 zum eigenständigen Facharzttitel. Mit der Anerkennung der Handchirurgie als eigenständiger Facharzttitel durch den Bundesrat ist die Schweizer Handchirurgie definitiv erwachsen geworden.

Quellen

  • www.sgh.ch
  • www.swiss-knife.org
  • www.neuerkerode.de
  • Dr. med. Niels Benatar, Braunschweiz
  • www.medizin.uni-greifswald.de
  • Towfigh H, Hierner R, Langer M, Friedel R, Handchirurgie, Band 2, Berlin: Springer 2011